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Minderung von Konflikten zwischen Nutztierhaltern und Schneeleoparden


Dieses von der Georg-August-Universität Göttingen initiierte und von der Breuckmann-Stiftung geförderte Forschungs- und Artenschutzprojekt widmet sich einer global bedrohten Großkatze, dem Schneeleoparden.

Schneeleoparden nehmen im zentralasiatischen Hochgebirge eine bedeutende und unersetzbare ökologische Rolle an der Spitze der Nahrungskette ein. Gleichzeitig ist diese charismatische Art diversen anthropogenen Gefahren ausgesetzt, die in Verbindung mit biologischen Faktoren - wie großen Streifgebieten und niedrigen Populationsdichten – zu ihrer Ausrottung führen könnten. So sind die Bestände vielerorts rückläufig und es wird geschätzt, dass heutzutage nur noch ungefähr 3.000 ausgewachsene Individuen in freier Wildbahn leben. Aus diesen Gründen wird der Schneeleopard auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „gefährdet“ eingestuft.

Zwei wesentliche Bedrohungen für Schneeleoparden sind der Rückgang natürlicher Beutetiere und illegale Tötungen zur Verhinderung oder Vergeltung von Nutztierrissen. Die Bedeutung dieser Konflikte zwischen Nutztierhaltern und Schneeleoparden nimmt angesichts des menschlichen Bevölkerungswachstums und der Ausbreitung in noch verhältnismäßig naturnahe Systeme stetig zu. Dennoch sind Ursachen von Mensch-Schneeleopard-Konflikten und geeignete Gegenmaßnahmen bislang unzureichend erforscht.

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes sollen daher ökologische Ursachen für Nutztierrisse durch Schneeleoparden ermittelt und die Eignung diverser Herdenschutzmaßnahmen analysiert werden. Hierfür wird ein Team aus Naturschutzbiologen zwischen Frühjahr 2019 und Herbst 2020 vier intensive Forschungsaufenthalte im nepalesischen Himalaya durchführen. Nepal beherbergt rund 10% der globalen Schneeleopardenpopulation und bietet der Großkatze hervorragende Lebensräume. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Annapurna Conservation Area, mit über 7.600 km2 das größte Schutzgebiet des Landes. Hier wird das Team großflächig sozio-ökologische Daten erheben. Zum einen werden mit standardisierten biologischen Monitoring-Methoden die Bestände der natürlichen Beutetiere des Schneeleoparden erfasst. Zum anderen werden Befragungen der lokalen Bevölkerung durchgeführt, um Informationen über Nutztierzahlen, Nutztierrisse und derzeit angewandte Herdenschutzmaßnahmen zu sammeln. Die Erhebung und Auswertung der Daten erfolgt durch Wissenschaftler der Universität Göttingen in Kooperation mit lokalen Partnerinstitutionen (u.a. Global Primate Network Nepal). Mit einem Teil der Fördermittel unterstützt das Projekt zudem lokale Nutztierhalter bei der Beschaffung und Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen.

Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojektes ist es, geeignete Management-Maßnahmen zur Minderung von Mensch-Schneeleopard-Konflikten zu identifizieren und deren Umsetzung einzuleiten bzw. zu fördern. Die Umsetzung der Maßnahmen soll ein nachhaltiges Zusammenleben zwischen Mensch und Schneeleopard ermöglichen und so sowohl die Lebenssituation einheimischer Bevölkerungsgruppen verbessern als auch zum Schutz der majestätischen Großkatze beitragen.

Ziel eines ersten Feldaufenthalts in den Tälern um die Ortschaften Manang, Nar und Phu war es, die ausgewählten Methoden zur Erfassung der Beutetiere des Schneeleoparden zu testen und zu optimieren und die Eignung eines speziell für dieses Projekt konzipierten Fragebogens über Nutztierverluste zu überprüfen. Hierfür sammelte das internationale Forscherteam Daten in 27 „Studieneinheiten“ (16 km2 großen Zellen). So wurden u.a. 180 Interviews mit Nutztierhaltern durchgeführt und Spuren von Schneeleoparden und deren Beutetieren entlang von Wildpfaden mit einer Gesamtlänge von über 120 km aufgenommen. Um die aufgestellten Forschungsfragen mit aussagekräftigen Zahlen beantworten zu können, wird das Forscherteam die erprobten Methoden nun großflächig in der Region Mustang anwenden, dieser Forschungsaufenthalt beginnt im September 2019.


© by Tashi R. Ghale

Global Primate Network-Nepal

© by Marc Filla, Uni Göttingen

© by Rinzin Phunjok Lama